Anforderungen der FDA (USA)

Der US-amerikanische Markt ist aufgrund seiner Bevölkerungsgröße von über 320 Mio. Einwohnern eines der attraktivsten Märkte für die Medizintechnikindustrie. Das amerikanische Zulassungssystem unterscheidet sich jedoch wesentlich vom Europäischen: es gibt unter anderem eigene Produktklassifizierungscodes und somit auch eine individuelle Risikoklassifizierung von Medizinprodukten. Entscheidungshoheit hat hier die US-amerikanische Regulierungsbehörde FDA (Food and Drug Administration). In Abhängigkeit dieser amerikanischen Produktklassifizierung wird ein entsprechendes, US spezifisches Zulassungsverfahren auserwählt. Aufgrund der Regulierung durch die FDA ist das amerikanische Zulassungssystem sehr komplex und agil.

US-Agent

Die Food and Drug Administration (FDA) fordert von allen außerhalb der USA ansässigen Medizinprodukteherstellern, die Benennung eines in den USA befindlichen US-Agenten.
Der US-Agent dient der FDA als Kontaktstelle, falls das Unternehmen im Ausland für die FDA nicht erreichbar ist. Dazu gehören unter anderem die Planung von Inspektionen beim Hersteller und den Produktionsstätten oder die Weiterleitung und Beantwortung von Fragen der FDA an den Hersteller (Foreign Manufacturer) hinsichtlich der zu importierenden Produkte.

Registrierung von Unternehmen und Listung von Produkten

Alle Unternehmen, die in der Produktion oder in den Vertrieb von für den US Markt bestimmten Medizinprodukten involviert sind, müssen ihre Betriebsstätten kostenpflichtig registrieren. Zudem müssen alle in den USA zu vermarktenden Produkten in der Datenbank der Food and Drug Administration (FDA) gelistet werden. Erst dann ist es gestattet diese Produkte in den US-amerikanischen Markt einzuführen. Die Listung muss stetig aktualisiert und die Gebühr jährlich entrichtet werden. Weiter Hinweise finden Sie unter dem Thema „Medical Device User Fee Amendments (MDUFA)“ auf der Webseite der FDA. Hier finden Sie die seit dem 01. Oktober 2018 in Kraft getretenen Gebühren (Fees) für das fiskale Jahr 2019 der FDA (FY 2019) inklusive z.B. der jährlichen Gebühr für die Registrierung der Unternehmen (Annual Establishment Registration). Die fälligen Gebühren können elektronisch gezahlt werden. Das System der FDA „Device Facility User Fee (DFUF) kann auf der Webseite der FDA genutzt werden.

Hier finden Sie weiterführende Informationen.

FDA 513(g) Klassifizierung von Medizinprodukten

Es gibt Situationen, in denen es schwierig ist, Medizinprodukte eindeutig einer US-Klassifizierung zuzuordnen. Das amerikanische System basiert auf Produktcodes und Produktkategorien von bereits bekannten Medizinprodukten. Sofern ein Hersteller neue und innovative Medizinprodukte entwickelt, bekannte Technologien kombiniert oder bestehende Methoden weiterentwickelt und auf dem Markt bereitstellen möchte, gibt es gegebenenfalls Klärungsbedarf bezüglich der Anwendbarkeit der bereits existierenden Codes, der resultierenden Klassifizierung und der Identifizierung des notwendigen Zulassungsweges. In diesen Fällen sollten daher die vorgesehene Klassifizierung und Zulassungsstrategie mit der FDA abgesprochen werden, um unnötige Kosten zu vermeiden die zum Beispiel durch eine Ablehnung einer Zulassung und dem resultierenden Aufwand der weiteren Aktivitäten entstehen können.

Hierzu gibt es die Möglichkeit der sogenannten „Pre-Submission Meetings“ die in einer entsprechenden Guidance der FDA geregelt werden. Der Titel der Guidance ist „Requests for Feedback on Medical Device Submissions: The Pre-Submission Program and Meetings with Food and Drug Administration Staff“. Die Guidance in der letzten Ausgabe ist am 29. September 2017 ausgegeben worden. Hier finden Sie den Link zur Guidance. Am 07. Juni 2018 wurde jedoch bereits eine Draft-Guidance zur Kommentierung herausgegeben. Der Title der Draft-Guidance ist: „Requests for Feedback and Meetings for Medical Device Submissions: The Q-Submission Program“. Die Draft-Guidance wird sobald final herausgegeben die vorher genannte Guidance ersetzen. Hier finden Sie den Link zur Draft-Guidance.

Unter bestimmten Umständen ist der bessere Weg für die Hersteller aber, dass 513(g)-Programm der FDA zu nutzen. In diesem Programm reicht der Hersteller eine Kurzdokumentation ein, die im Wesentlichen aus einer Beschreibung des Medizinproduktes, der vorgesehenen Nutzung und Zweckbestimmung, sowie der vorgesehen Kennzeichnung und Werbematerialien ein.

Hierzu gibt es die Möglichkeit des sogenannten „513(g)-Requests“ der in einer entsprechenden Guidance der FDA geregelt wird. Der Titel der Guidance ist „FDA and Industry Procedures for Section 513(g) Requests for Information under the Federal Food, Drug, and Cosmetic Act“. Die Guidance in der letzten Ausgabe ist am 06. April 2012 ausgegeben worden. Hier finden Sie den Link zur Guidance.

Als Resultat der Einreichung im Rahmen des 513(g)-Programms bekommt der Hersteller dann eine Rückmeldung zur Klassifizierung (class of device) innerhalb der generischen Produktgruppe (classification regulation), sowie Angaben zum notwendigen Zulassungsweg und sofern existent, Angaben zu zusätzlichen Anforderungen wie auch zum Beispiel zu anwendbaren Guidances der FDA oder besonderen Anforderungen wie zum Beispiel Anforderungen zu Strahlenschutzanforderungen, sofern zutreffend.

FDA Premarket Notification 510(k)

Medizinproduktehersteller von Class II Medizinprodukten benötigen im Normalfall eine “FDA-Clearance” für ihr Produkt, bevor es auf dem US-Markt in Verkehr bringen gebracht werden darf. Hierbei sind auch manche Class I und Class III Produkte inkludiert.

Dabei handelt es sich um die Einreichung von Dokumenten nach Paragraph 510(k) des Federal Food, Drug and Cosmetic Act. Im Rahmen dieser Einreichung soll die FDA feststellen, ob das Medizinprodukt mit einem bereits in Verkehr gebrachten Medizinprodukt (Predicate Device) grundsätzlich vergleichbar (Substantial Equivalent) ist. Zudem werden im Rahmen der Zulassung die Anforderungen aus anwendbaren Normen (Recognized Consensus Standards) und FDA-Guidances geprüft. Grundsätzlich müssen die Hersteller den Nachweis der Äquivalenz der Zweckbestimmung und der technologischen Eigenschaften nachweisen. Hierzu können zum Beispiel vergleichende Tests herangezogen werden. Bei den technologischen Aspekten kann, sofern die Abweichungen nicht wesentlich sind, ein Nachweis erbracht werden das die Sicherheit und Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist. Dies kann zum Beispiel über die Erfüllung von Normen und Guidances oder auch über klinische Daten erfolgen. Kann der Nachweis der Gleichwertigkeit nicht erbracht werden, muss der Medizinproduktehersteller gegebenenfalls einen kostenintensiven und zeitraubenden Premarket Approval (PMA) Prozess oder den alternativen de Novo-Prozess zur Zuordnung einer Klassifizierung der FDA durchlaufen.

Nicht nur das Inverkehrbringen eines neuen Class II Produkts erfordert eine Premarket Notification, sondern gegebenenfalls auch die Änderung eines Produkts, das bereits eine 510(k)-Freigabe hat. Weiterentwicklungen der eigenen Produktpalette sollten daher in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit Regulatory Affairs Fachpersonal durchgeführt werden. Hier profitieren Sie von unserer großen Erfahrung bei der Erstellung von Premarket Notifications 510(k)‘s.

FDA Premarket Approval (PMA) für Medizinprodukte der Klasse III

Eine Premarket Approval Application (PMA) ist die strengste, aufwändigste und kostenintensivste Zulassungsart der US-amerikanischen Behörde. Hierbei benötigt der Antragsteller die Zulassung (engl. „Approval“) durch die FDA. Dies wird durch eine umfassendes und detailliertes Einreichungsdossier realisiert, das idealerweise bereits entwicklungsbegleitend erstellt wird und mit der FDA abgestimmt ist. Die Dokumentation wird eingehend geprüft und nach 180 Tagen wird ein Besprechungstermin mit dem Antragsteller vereinbart. Hierin werden offene Fragestellungen und Mängel mit dem Antragsteller besprochen und die Erwartungshaltung der FDA besprochen. Die Behörde stützt ihre Entscheidung dabei auf hinreichend valide wissenschaftliche Ergebnisse, um sicher zu stellen, dass das Medizinprodukt sicher und wirksam die vorgesehene Zweckbestimmung erfüllen kann. Dabei ist die Bereitstellung klinischer Daten ein unerlässlicher Teil der Einreichungsdokumentation und wird in der Regel als Ergebnis einer klinischen Studie erzeugt.

FDA Investigational Device Exemption (IDE)

Eine IDE ist zur Durchführung einer klinischen Studie in den USA nötig. Bevor ein Produkt zum Zwecke einer klinischen Studie an Patienten eingesetzt werden darf, muss die Sicherheit und Effektivität des Produkts nachgewiesen werden. Einige Anforderungen der FDA in Hinblick auf kommerziell zu vermarktenden Produkten wie beispielsweise einige Kennzeichnungsvorgaben, entfallen.
In Abhängigkeit von der Risikoeinstufung eines Produkts werden unterschiedliche Parteien bei der Bewertung des IDE Antrags involviert:

Es gibt 2 Möglichkeiten einer IDE:

1. Ein IRB (Institutional Review Board, vergleichbar mit einer Ethikkomission) überprüft die IDE Dokumentation und akzeptiert die Studie – anwendbar für ‘Non-Significant-Risk-Devices’.

2. Der Antragssteller übermittelt die Dokumentation an FDA und IRB. Diese überprüfen die Dokumentation und akzeptieren die Studie – anwendbar für ‘Significant-Risk-Devices’.

Erst nach erfolgreicher Prüfung des Antrags darf eine klinische Studie in den USA initiiert werden und diese zum Beispiel für die Erzeugung klinischer Daten im Rahmen einer PMA verwenden. Die NSF PROSYSTEM GmbH und der Mutterkonzern NSF haben hierzu umfangreiches Expertenwissen, sowie frühere Mitarbeiter der FDA, die Ihnen bei den komplexen Themen PMA und IDE weiterhelfen können.

Schauen Sie hierzu auch gerne auf die Webseite von NSF zum Thema Dienstleistungen „Medical Devices Regulatory Support and Submission“. Hier finden Sie den Link und weiterführende Informationen zu den entsprechenden Experten die neben den Experten der NSF PROSYSTEM GmbH zum Beispiel auch lokal in den USA unterstützen können.

FDA Inspektionen

Die FDA führt im Rahmen ihrer Überwachungstätigkeit regelmäßige Kontrollen bei Herstellern und Produktionsstätten von Herstellern durch. Die sogenannten „Inspections“ unterscheiden sich grundsätzlich von den in Europa bekannten Audits der benannten Stellen. Ziel dieser Inspektionen ist es, die Mängel und Nicht-Konformitäten eines Unternehmens in Hinblick auf die relevanten US-Anforderungen (z.B. Quality System Regulation 21 CFR Part 820) festzustellen. Ebenso werden Hersteller von Hochrisikoprodukten im Rahmen des PMA- Prozesses ebenfalls inspiziert und die zugehörigen Produktionsprozesse und das Qualitätsmanagementsystem gründlich überprüft.

Die FDA führt unterschiedliche Inspektionen durch. Diese sind in drei Kategorien zu unterteilen:

1. „Pre-Approval“-Inspektionen bei Zulassungseinreichungen für bestimmte Zulassungen und Produkte oder besonderen Gegebenheiten.

2. „Routine“-Inspektionen.

3. „For Cause“-Inspektionen (Untersuchung spezifischer Probleme bei Unternehmen).

Unterstützung durch NSF PROSYSTEM

Wir bietet Ihnen diverse Dienstleistungen für die erfolgreiche Zulassung Ihres Medizinprodukts in den USA an. Zu Prozessen, bei denen wir Sie unterstützen können zählen unter anderem:

  • Suche und Empfehlungen eines US Agents
  • Registrierung Ihres Unternehmens und Eintragung Ihrer Produkte in der FDA-Datenbank
  • Klassifizierung von Medizinprodukten
    • Analyse der möglichen Produktklasse
    • Analyse und Identifikation anwendbarer US-Regularien (Guidances, Recognized Consensus Standards und ggfs. anwendbarer Performance Standards)
    • Antragstellung 513(g)
  • Premarket Notification 510(k) und Premarket Approval (PMA)
    • Identifikation oder Bewertung möglicher Vergleichsprodukte (Predicate Devices)
    • Erstellung und Versand der Dokumentation
    • Übernahme der Kommunikation mit der FDA
    • Hilfestellung bei der Beantwortung von Rückfragen
  • Investigational Device Exemption (IDE)
    • Erstellung und Versand der Dokumente
    • Begleitung oder Übernahme der Kommunikation
  • Vorbereitung und Begleitung während Inspektionen durch die FDA
    • Durchführung von detaillierten Analysen bezüglich der QSR-Compliance
    • Implementierung von Prozessen gemäß QSR (21 CFR Part 820)
    • Bewertung der bestehenden Validierungen und Durchführung von Validierungsprojekten (Q-SW sowie Produktions- und Test-SW)
    • Schulungen/Coaching der Mitarbeiter vor bevorstehenden Inspektionen der FDA (Verhaltensweise, Vorgehen der Inspektoren bei Inspektionen (QSIT))
    • Strategieplanung als Vorbereitung auf eine erfolgreiche Inspektion für den Hersteller oder Vertragshersteller
    • „Mock“-Inspektionen zur Überprüfung der Compliance auch inklusive MDSAP
    • Übernahme der Verantwortlichkeit im Back-office (Koordination und Freigabe von Dokumentation an den FDA-Inspektor)
    • Übernahme der Kommunikation mit FDA-Inspektoren im Front-office als Übersetzer oder direkter Verantwortlicher (z.B. bei fehlenden Englischkenntnissen des QM-Verantwortlichen)

    Für weitere Details zum Thema „Regulatory Affairs in den USA“ oder für ein unverbindliches Angebot kontaktieren Sie uns gerne.